Manchmal passiert beim Schreiben etwas, das so nicht geplant war.
Seit ungefähr Kapitel 4 gibt es da diesen Charakter. Eigentlich war er nur dafür gedacht, irgendwo sinnvoll in die Geschichte eingebaut zu werden. Eine Nebenfigur. Ein kleines Zahnrad im großen Getriebe.
Nun ja.
Das Getriebe hatte andere Pläne.
Je länger ich an ihm geschrieben habe, desto mehr Persönlichkeit bekam er. Dann bekam er Vergangenheit. Dann eigene Motive. Eigene Probleme. Eigene Ansichten.
Und irgendwann saß ich vor meinem Manuskript und musste mir eingestehen:
Dieser verdammte Nebencharakter hat mehr Geschichte als manche Hauptfigur.
Also gut.
Er bekommt seine eigene.
Eine neue Geschichte, die mit der bisherigen Welt verbunden sein wird. Manche Dinge werden sich überschneiden. Manche Ereignisse werden aus einer anderen Perspektive plötzlich etwas anders aussehen. Und vielleicht entdeckt man dabei auch Dinge, die in der ersten Geschichte besser nie hinterfragt worden wären.
Ob das ursprünglich so geplant war?
Nein.
War überhaupt irgendetwas davon geplant?
Auch nein.
Aber offenbar hat die Figur beschlossen, dass sie jetzt wichtig genug ist, um ihren eigenen Roman zu bekommen.
Ich werde mich diesem Problem wohl oder übel stellen müssen.
Jetzt heißt es: ausarbeiten, vertiefen, die Welt erweitern und herausfinden, wohin diese Reise eigentlich führt.
Ich weiß selbst noch nicht genau, was am Ende dabei herauskommt.
Und irgendwie gefällt mir genau das.
Manche Geschichten werden geplant.
Andere schreiben sich ihre eigene.
Und manche Nebencharaktere haben offenbar einfach keine Lust, Nebencharaktere zu bleiben.